Paula Ditfurth eine Schriftstellerin in Blösien

13.02.1858 in Witzgenrode; gest.: 21.11.1894 in Brandenburg

 

 

Zwei Eintragungen in Lexikas zu deutscher Literatur [1,2] verweisen auf Paula Jürgens. Sie schrieb zwei Erzählungen und veröffentlichte diese unter dem Pseudonym Paula Ditfurth. Ditfurth war der Familienname, der Mädchenname ihrer Mutter. Aus ihrem Lebenslauf ist zu entnehmen das diese Erzählungen in Blösien entstanden. Hier verlebte sie als Ehefrau des Pfarrers ihre letzten 15 Lebensjahre.

Ihre erste Erzählung wurde 1892 veröffentlicht. Da war die Autorin 34 Jahre alt.

 

Sankt Katharinen

(1892, 168 Seiten Verlag: A.Deicherts Nachfolger)

 

Der Gylfenhof

(1894, 240 Seiten Verlag: A. Deicherts Nachfolger)

 

 

Lebenslauf in Daten

 

Paula Jürgens wurde am 13.02.1858 in Witzgenrode im Eichsfeld geboren. Ihr Vater war ab März 1868 in Weißenfels Superintendent und ab 1868 in Nieder-Beuna bei Merseburg als Ephorus der Merseburger Landdiözese angestellt. Ihre Mutter war Paulina Ditfurth. Sie heiratet mit 21 Jahren 1879 in Brandenburg in eine Theologenfamilie. Ihr Ehemann war Dr. Burkhardt, Johannes Theodor (* Delitzsch 02.12.1852, † Magdeburg. 01.11.1914). Sein Vater war Dr. Gustav Emil Burkhardt, Oberdomprediger und Superintendent im Dom in Stendal, die Mutter war Emma Luise Blankenburg.

 

Seine Ausbildung wird wie folgt beschrieben [3].

 

Klosterschule Donndorf, Pforta

Universität Leipzig 1872–1874

Halle 1874/75;

Dr. phil. ord., Berlin am 01.12.1878

1876–1878 Lehrer an mehreren Schulen

1878–1880 Hofprediger Dom Brandenburg u. Lehrer Ritterakademie ebenda

1880–1895 Pfarrer Blösien

1895–1914 Oberpfarrer. St. (C)Katharinen Magdeburg.

 

Die Ehe bleibt kinderlos. Paula verstirbt am 21.11.1894 im jungen Alter von nur 36 Jahren in Blösien [2] (im Kirchenbuch Blösien ist sie nach Steffan Bruns Recherchen (Genaologe des Geiseltals) allerdings nicht aufgeführt, eine weitere von ihm gefundenen Quelle nennt Brandenburg an der Havel als Sterbeort [3]). Laut einer Chronik baute der Ehemann für seine kranke Frau einen Balkon an das Pfarrhaus. Auf eigene Kosten zu einem Betrag von 90 M.   

 

 

Der Ehemann J.T. Burkhardt wird als Mitautor eines Kunsthistorischen Standardwerkes genannt [4]. Im Allgemeinen ist das Werk eher unter dem  Autor Otto Küstermann, Pfarrer in Geusa bekannt. Im Vorwort wird Burckhardt mit Verweis auf seine Doktorarbeit [5] als Kunstarchäologe bezeichnet.  

J.T. Burkhardt war Nachfolger des Pfarrers Julius Borack der nur ein Jahr von 1879-80 in Blösien predigte. Kurz nach dem Tod der Ehefrau verlässt J.T. Burkhardt Blösien und geht nach Magdeburg an die St. Katarinenkirche. Sein Nachfolger wird Hermann May Schuhmann der aus Pristäblich bei Düben kommt und immerhin bis 1913 blieb um dann nach Beuna zu wechseln.

Der Witwer heiratet 2 Jahre später, am 21.12.1896 zu zweiter Ehe. Marianne Riemann ist die Tochter eines Kaufmanns Eduard Riemann in Magdeburg. Hier wird die Geburt eines Sohnes benannt.

 

 

Der Stammbaum der Familie Burkhardt 

 

 

 

Ihr Lebenslauf wird in einem Lexika folgend erzählt [2]

 

 

Burkhardt, Paula, geborne Jürgens, Pseudonym Paula Ditfurth, wurde am 13. Januar 1858 zu Wintzingerode am Eichsfeld als die Tochter des dortigen evangelischen Pfarrers geboren, der zwei Monate später als Superintendent nach Weißenfels versetzt wurde. Hier und in Nieder-Beura, wohin der Vater 1867 als Ephorus der Merseburger Landdiözese kam, verlebte Paula ihre Kindheit und Jugend. Ihre Ausbildung wurde in keiner Weise forciert. Neben dem gewöhnlichen Volksschulunterricht liefen Privatstunden des Vaters und solche in Merseburg und Halle. Nur ein Jahr war sie außerhalb des Vaterhauses in der ländlichen, aber mit tüchtigen Lehrkräften ausgestatteten Pension des Pastors Hesekiel in Gröbitz; immerhin beruhte das Beste ihrer Bildung auf spontaner Aneignung. In des Lebens Tiefen ist sie früh geführt worden. Mit kaum 17 Jahren verlobt, war die Aufgabe ihres vierjährigen Brautstandes, die Mutter u. einen erwachsenen Bruder bis ins Grab zu pflegen u. dabei den väterlichen Hausstand selbständig zu leiten. Daraus und daran ist die tiefe und energische Auffassung der Pflicht gewachsen, welche ihre Erzählungen beherrscht. Anfang 1879 vermählte sie sich mit dem Hilfsprediger am Dom und Hilfslehrer an der Ritterakademie in Brandenburg an der Havel. Dr. Johannes Burkhardt, dem sie 1880 auf die Pfarre Blösien bei Merseburg folgte. Hier starb sie am 21. November 1894 (im Kirchenbuch Blösien ist sie nach Steffen Bruns allerdings nicht aufgeführt, eine Quelle nennt Brandenburg an der Havel als Sterbeort [3]).

 

 

 

Inhalt und Kritik

Der Gylfenhof

 

Das bittere Leben einer jungen Frau verstrickt sich mit einem Familiendrama. Zwei bis drei gut geführte Erzählstränge machen die Handlung Komplex und die nur langsam sich lüftenden Details eines verlorenen Sohnes durch Vertrauensbruch führen zu einem fein geführten Spannungsbogen. Fein genau, so stellt sich auch die Literatur dar. Die Sätze sind fein geführt und flüssig zu lesen ohne dabei im Trivialen zu versinken.

Natürlich geht es auch um die Ränke der Liebe mit den enthaltenden Attributen Neid und Ungewissheit. Dabei sind die Gefühlswelten der handelnden Personen nachvollziehbar und gut gezeichnet.

Der Zeitgeist treibt sich in der Erzählung  um. Ein dicker erhobener Zeigefinger nach dem anderen wird herausgestreckt und das pastorale klingt und schwingt wie Glockenklang stets im Hintergrund.

Wie tausende andere Erzählungen endet auch diese eher ernüchternd und mehr glücklich. Es ist auch heute noch ein netter Happen Literatur für zwischendurch. Ein Blick in die Lebensart unserer Vormütter und Väter. Dabei wird im Stück als Besonderheit hauptsächlich die Lebenswelt der Frauen beschrieben.

 

Ein Frühlingsgedicht gibt es zu entdecken: 

 

Die Welt wird schöner mit jedem Tag

Man weiß nicht, was noch werden mag

Das Blühen will nicht enden.

 

Es blüht das fernste, tiefste Tal

Nun armes Herz vergiß die Qual,

nun muß sich alles wenden

 

Interessant aus der Sicht des Biografen ist die Tatsache, dass die Geschichte im Umfeld einer Pfarrer Familie und eines Professors, der sehr mit der Historie beschäftigt ist, spielt. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren das sich die Autorin und Ehefrau des Historikers J. T. Burkhardt auf eine ganz besondere Art lustig macht über die Leidenschaft ihres Mannes und seinem berühmten Kollegen Küstermann. So wird in der Erzählung folgende spöttische Aussage getroffen.

 

„Ja denken Sie, daß ist nach Onkels Behauptung ein uralter Taufstein. Er fand ihn eines Tages unter Schutt und Erde im Garten und that, als habe er einen Schatz gehoben; können sie sich denken, daß er stundenlang davor saß und ihn ganz entzückt anstarrte ?“

 

Die Heldin (aufgepasst Spoileralarm) heiratet diesen Historiker dann am glücklichen Ende der Geschichte auch noch. Ein bisschen viel Autobiografie findet der Biograf.

Zum ersten Werk von Paula Ditfurth „Sankt Katharinen“ findet sich eine Verkaufsannonce mit Stimmen einiger Kritiker (Abbildung unten). Die Bemerkung „Eine mit nicht gewöhnlicher Feinheit geschriebene Erzählung..“ kann ich auch für den Gylfenhof bestätigen.

 

[1] Sophie Pataky, Lexikon deutscher Frauen der Feder: Vollständiger Neusatz beider Bände in einem Buch, BoD – Books on Demand, 2014, ISBN: 3843044503, 9783843044509, 680 Seiten

 

[2] Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

 

[3] Pfarrbuch der Provinz Sachsen, 2003, ISBN 978-3-374-02083-6

 

[4] Beschreibende Darstellung der älteren Bau und Kunstdenkmäler des Kreises Merseburg, unter Mitwirkung von Dr. th Heinrich Otte Past. em., bearbeitet von Dr. Johannes Burckhardt, P. und Otto Küstermann, P.

Herausgegeben von der Historischen Commission der Provinz Sachsen, Halle an der Saale, Druck und Verlag Otto Hendel 1883.

Ein Standardwerk mit Quellenstudium und zahlreichen Zeichnungen zu Gebäuden, Kirchen und Kunstgegenständen aus zahlreichen Orten der Region von Altranstedt bis Zweimen mit Merseburg als Schwerpunkt.

 

[5] De origine basilicarum christianarum commentatio, Halis Sax 1875. 48 S.8